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Konstruktion und Illusion
Mode ist konstruiert. Schnitte werden entwickelt, Materialien ausgewählt, Silhouetten angepasst, Bilder produziert. Nichts davon ist selbstverständlich.
Die zentrale Illusion der Mode ist nicht Leere, sondern Autonomie. Mode erscheint als sich selbst hervorbringend, während die Prozesse und Abhängigkeiten, die sie tragen, systematisch in den Hintergrund treten. Konstruktion wird durch Aura ersetzt, Entscheidung durch Stil überdeckt.
Diese Illusion ist produktiv. Sie stabilisiert Autorität und erzeugt Distanz.
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Arbeit und Verschiebung
Mode ist das Ergebnis kollektiver Arbeit. Sichtbarkeit ist jedoch ungleich verteilt. Autorschaft verdichtet sich, während Arbeit verlagert wird. Was als geschlossen erscheint, ist tatsächlich fragmentiert. Was als singulär wahrgenommen wird, wird von vielen getragen.
Mode funktioniert durch diese Asymmetrie. Sie ermöglicht es, Komplexität zu integrieren, ohne Verantwortung eindeutig zuzuweisen.
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Sichtbarkeit und Macht
Auch im Prozess des Herstellens wirkt eine Politik der Sichtbarkeit.
Bestimmte Beiträge werden hervorgehoben, andere bleiben strukturell unsichtbar. Wert entsteht nicht allein durch Qualität, sondern durch Rahmung. Das, was gezeigt wird, bestimmt, was als relevant gilt.
Die Macht der Mode liegt nicht nur im Bild, sondern in der Kontrolle darüber, welche Bedingungen sichtbar werden.
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Materialität und Narrativ
Materialien sind nicht neutral. Sie tragen ökonomische, ökologische und soziale Geschichten in sich.
Innerhalb modischer Repräsentationssysteme wird Materialität jedoch häufig symbolisch aufgeladen. Handwerk, Seltenheit oder Qualität erscheinen als Erzählungen, während die Bedingungen von Gewinnung, Verarbeitung und Produktion marginal bleiben.
Mode vom Herstellungsprozess aus zu denken bedeutet, die Spannung zwischen materieller Realität und symbolischer Konstruktion ernst zu nehmen und ihre scheinbare Übereinstimmung nicht vorauszusetzen.
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Herstellen als Haltung
In meiner Praxis ist Herstellen nicht nur Produktion, sondern eine Positionierung.
Indem ich Prozess, Abhängigkeit und Konstruktion sichtbar mache, wird Herstellen zu einer Form der Entmystifizierung. Es geht nicht um Enthüllung um ihrer selbst willen und nicht um die Rückkehr zu einem vermeintlich Authentischen. Es geht darum, die Tendenz der Mode, ihre eigenen Bedingungen zu verdecken, nicht selbstverständlich hinzunehmen.
Auf Prozess zu bestehen bedeutet, Verantwortung mitzudenken.
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Perspektive
Das Ziel ist nicht, Mode als Täuschung zu entlarven. Mich interessiert, wie Wert zusammengesetzt wird und an welchen Punkten in diese Zusammensetzung eingegriffen werden kann.
Ich verstehe das Herstellen von Mode als einen Ort, an dem Autorschaft, Arbeit, Material und Mythos aufeinandertreffen. Mode ist weder bloße Illusion noch unverrückbare Wahrheit, sondern eine ausgehandelte Konstruktion, die von innen heraus neu organisiert werden kann.