Print is dead ist keine Aussage über Medien, sondern über Aufmerksamkeit.
Modeeditorials haben stets strukturiert, wie Mode über Zeit hinweg wahrgenommen wird. Sie organisieren Abfolge, Rhythmus und Gewichtung. Entscheidend ist nicht die Seite selbst, sondern die Logik, nach der Bilder angeordnet und gelesen werden.
Mit print is dead begreife ich Editorial Design als narratives System, das Modekommunikation auch jenseits des gedruckten Mediums prägt.


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Layout: Jonathan Tschaikoiwski
Editorial als Struktur
Ein Editorial ist keine Ansammlung von Bildern, sondern eine zeitliche Anordnung.
Durch Sequenzierung und Taktung entsteht Bedeutung im Verlauf. Bilder gewinnen ihre Relevanz aus ihrer Position zueinander. Eine Wiederholung, eine Unterbrechung oder ein Moment der Leerstelle verändert die Wahrnehmung von Mode.
Editoriale Logik präsentiert Mode nicht als singulären Moment, sondern als Entwicklung.
Bebilderung folgt
Von der Seite zum Feed
Mit dem Rückgang gedruckter Auflagen verschwand die editoriale Logik nicht. Sie verlagerte sich. Digitale Plattformen reproduzieren editoriale Strukturen in fragmentierter Form. Feeds, Raster und Swipe-Abfolgen übernehmen Prinzipien von Hierarchie, Rhythmus und Wiederholung. Der Unterschied liegt weniger in der Logik als in Geschwindigkeit und Skalierung.
Was sich früher über Seiten entfaltete, entfaltet sich heute über Bildschirme. Editoriales Gestalten passt sich an, erfüllt aber weiterhin dieselbe Funktion: Aufmerksamkeit zu organisieren und innerhalb visueller Überfülle Kohärenz herzustellen.

Foto: Jonathan Tschaikoiwski
Arbeiten mit editorialen Systemen
In meiner Praxis arbeite ich mit editorialen Strukturen als Material. Editorials sind für mich keine Formate, die gefüllt werden, sondern Systeme, deren Ordnung Bedeutung erzeugt.
Indem ich Abfolgen neu konfiguriere, Rhythmen unterbreche oder die Trennung von Bild, Text und Layout verschiebe, wird Editorial Design selbst zum Untersuchungsfeld. Mode erscheint nicht als abgeschlossene Aussage, sondern als erzählerische Konstruktion, die neu gelesen werden kann.

Gestricktes Plakat, Foto: Jonathan Tschaikowski
Jenseits des Mediums
Print is dead fordert weder die Rückkehr zum Print noch feiert es digitale Beschleunigung. Mich interessiert, warum editoriale Strukturen fortbestehen und wie sie weiterhin Modekommunikation formen.
Wenn Editorial Design als strukturierendes Prinzip verstanden wird und nicht als Medium, lässt sich Mode plattformübergreifend kritisch lesen. Mit Aufmerksamkeit für die Art und Weise, wie Geschichten montiert, getaktet und kontrolliert werden.
HANDOUT 1
Gestaltung und Konzept: Kim Heintzen und Jonathan Tschaikowski